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16. Juni 2015 Uhr

Allensbach-Studie: Flucht und Vertreibung bewegen die Menschen noch immer

Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung veröffentlicht heute eine repräsentative Studie zu Flucht, Vertreibung und Versöhnung, die vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) in Deutschland, Polen und Tschechien durchgeführt wurde. Anlass ist der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni 2015, der auf Beschluss der Bundesregierung erstmals und zukünftig jährlich begangen wird. Das Datum knüpft an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen an und erweitert das Flüchtlingsgedenken um das Schicksal der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen.

Ziel der Studie ist es zum einen, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die aktuelle Bedeutung des Themenspektrums Flucht und Vertreibung zu ermitteln. Zum anderen geht es darum, gesicherte Daten für das geplante Informations- und Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zu erhalten. Die Studie baut daher auf früheren Untersuchungen im Auftrag der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf, die 2005 als Vorbereitung der dortigen Ausstellung »Flucht, Vertreibung und Integration« dienten.

Die Studie kommt zu folgenden wesentlichen Ergebnissen:

▪ Das Thema Flucht und Vertreibung beschäftigt ― unter dem Eindruck des aktuellen Fluchtgeschehens weltweit ― die deutsche Bevölkerung heute mehr als noch vor zehn Jahren.
▪ Gut jeder vierte Deutsche sieht einen persönlichen oder familiären Bezug zu den Flüchtlingen und Vertriebenen. Vor allem für die persönlich von der Vertreibung betroffenen Menschen spielt das Thema nach wie vor eine wichtige Rolle.
▪ Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung begrüßt die Einführung eines Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung (53 Prozent).
▪ Die polnischen Befragten räumen Flucht und Vertreibung der Deutschen einen ähnlich großen Stellenwert wie die deutschen ein; in Tschechien liegt dieser Wert niedriger.
▪ Die überwiegende Mehrheit der Befragten in allen drei Ländern bewertet die jeweiligen bilateralen Beziehungen als gut oder sehr gut.
▪ Die Einrichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums zu Flucht und Vertreibung wird von der deutschen Bevölkerung mehrheitlich begrüßt.

Hierzu erklärt die Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters: »Die neue Allensbach-Studie zeigt, dass Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkrieges die Menschen noch immer emotional bewegen und auch die wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung dieser Ereignisse weiterhin notwendig ist. Angesichts von heute mehr als 50 Millionen Flüchtlingen weltweit hat das Thema gerade aktuell wieder einen hohen Stellenwert. Die Entscheidung der Bundesregierung, einen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung einzuführen, hat sich jedoch nicht nur vor diesem Hintergrund als richtig erwiesen: Die mit 73 Prozent überdurchschnittlich positive Resonanz bei den Betroffenen resultiert aus dem tiefen Bedürfnis nach gesamtgesellschaftlicher Anerkennung ihres Schicksals.«

Die Zusammenfassung der Allensbach-Studie ist abrufbar unter: www.sfvv.de